Hamburg liegt rund 100 Kilometer von der Nordsee entfernt – und trotzdem steigt und fällt die Elbe hier zweimal am Tag um mehrere Meter. Der Grund ist die Tide: Die Gezeitenwelle der Nordsee läuft die Elbe hinauf bis zum Wehr in Geesthacht.
Zweimal am Tag, jeden Tag etwas später
Zwischen zwei Hochwassern liegen im Mittel gut zwölf Stunden. Weil ein Mondtag etwas länger ist als 24 Stunden, verschieben sich die Hochwasserzeiten von Tag zu Tag. Wer gestern um 15 Uhr Hochwasser hatte, hat es heute deutlich später. Deshalb hilft nur ein Blick auf die aktuelle Vorhersage – eine feste Uhrzeit gibt es nicht.
Wie viel das Wasser steigt
Am Pegel St. Pauli liegt das mittlere Tidehochwasser (MThw) bei 711 cm und das mittlere Tideniedrigwasser (MTnw) bei 347 cm (Zeitraum 2001 bis 2010, laut PEGELONLINE). Zwischen Ebbe und Flut steigt die Elbe an den Landungsbrücken also im Mittel um gut dreieinhalb Meter. Die Anleger schwimmen deshalb auf Pontons, die mit dem Wasser auf und ab gehen.
Warum die Vorhersage von den Gezeitentafeln abweicht
Die Gezeiten lassen sich astronomisch lange im Voraus berechnen. Das tatsächliche Hochwasser weicht davon aber oft ab: Wind aus West bis Nordwest drückt zusätzliches Wasser in die Elbe, Ostwind hält es zurück, und auch das Oberwasser aus dem Binnenland spielt eine Rolle. Deshalb zeigen wir die astronomische Vorausberechnung nur als dünne, gepunktete Linie – und verwenden für den Status ausschließlich die Wasserstandsvorhersage des BSH, die Wind und Wetter einbezieht.
Hochwasser ist nicht gleich Hochwasser
Im Alltag meint „Hochwasser“ in Hamburg einfach den höchsten Stand einer Tide. Kritisch wird es erst, wenn dieses Hochwasser deutlich über dem Mittel liegt. Ab welcher Höhe das BSH von einer Sturmflut spricht, erklärt der Beitrag Hochwasser oder Sturmflut?.