Hochwasser HamburgPegel Hamburg St. Pauli · Messung und Vorhersage
Pegel St. Pauli831 cm↑ steigendNächstes Hochwasserheute, 26.10., 16:22 Uhr889 cmBSHSturmflutOrte2 jetzt nass, 6 voraussichtlich nassStand 14:44 Uhr

Ratgeber · Geschichte

Historische Sturmfluten in Hamburg: die Rekorde seit 1788

Capella 1976, Xaver 2013, die Flut von 1962: die zehn höchsten Wasserstände am Pegel St. Pauli seit 1788 und warum alte Werte anders zu lesen sind.

5 Min. LesezeitAktualisiert 26.10.20265 Quellen

Am 3. Januar 1976 stand die Elbe am Pegel St. Pauli so hoch wie nie zuvor und nie danach: +6,45 m NHN, gemessen an den Landungsbrücken während des Capella-Orkans. Bis heute ist das der höchste bekannte Wasserstand in Hamburg. Jahrzehnte später kam Orkan Xaver diesem Wert am nächsten. Und die Sturmflut, die sich am tiefsten ins Gedächtnis der Stadt eingegraben hat, taucht in der Liste der höchsten Wasserstände gar nicht auf.

Dieser Ratgeber ordnet die Rekorde ein: woher die Zahlen stammen, was sie bedeuten und warum man ältere Werte nicht zentimetergenau mit einer heutigen Vorhersage vergleichen sollte.

Woher stammt die Liste der höchsten Sturmfluten?

Die Hamburg Port Authority (HPA) betreibt den Pegel St. Pauli und veröffentlicht jedes Jahr eine Gewässerkundliche Information. Darin steht eine Rangliste der höchsten Tidehochwasser seit 1788, zuletzt mit Stand 01.11.2023. Ein Tidehochwasser ist der höchste Stand einer einzelnen Tide. Bei einer Sturmflut ist es der Scheitel, also der Moment, in dem das Wasser seinen Höchststand erreicht und wieder zu fallen beginnt.

Die Liste ist damit eine Rangfolge der Wasserhöhen an einem einzigen Messpunkt. Sie sagt nichts darüber, wie lange das Wasser hoch stand, wie stark der Wind war oder welche Schäden entstanden.

PlatzDatumWasserstand≈ am Pegel heuteOrte nass nach heutiger Tabelle
1.03.01.19766,45 m NHN1145 cm56 von 59
2.06.12.20136,08 m NHN1108 cm56 von 59
3.28.01.19946,02 m NHN1102 cm56 von 59
4.10.01.19956,02 m NHN1102 cm56 von 59
5.03.12.19995,95 m NHN1095 cm56 von 59
6.19.02.20225,87 m NHN1087 cm56 von 59
7.24.11.19815,81 m NHN1081 cm56 von 59
8.23.01.19935,76 m NHN1076 cm56 von 59
9.28.02.19905,75 m NHN1075 cm56 von 59
10.05.02.19995,74 m NHN1074 cm56 von 59

Quelle: Hamburg Port Authority: Gewässerkundliche Information 2024 (Gewässerkundliches Jahr 2023), Stand 01.11.2023. Werte vor dem 01.11.2019 in der damals gültigen Bezugsebene. Zum Hochwasser-Archiv

Welche Sturmfluten stehen ganz oben?

Capella 1976: der Höchststand

Der Capella-Orkan brachte am 03.01.1976 den höchsten bekannten Wasserstand, in der Fachsprache das HHThw, das höchste je beobachtete Tidehochwasser. +6,45 m NHN in der damals gültigen Bezugsebene: Seitdem hat kein Hochwasser in Hamburg diesen Wert erreicht.

Zur Einordnung hilft die heutige Behördentabelle zu beginnenden Überflutungen (Stand 30.09.2022). Für einen Wasserstand von +6,40 m NHN nennt sie das Falkensteiner Ufer und das Rissener Ufer als total überflutet und die Große Elbstraße als überwiegend überflutet. Für die Straßenzüge an der Ausschläger Allee in Rothenburgsort beginnt die Überflutung bei +6,50 m NHN. Das ist ein Gedankenexperiment, kein Rückblick: Die Tabelle beschreibt die Stadt von heute, nicht die von damals.

Xaver 2013: knapp dahinter

Orkan Xaver ließ das Wasser am 06.12.2013 auf +6,08 m NHN steigen, Platz zwei der Liste. Neben 1976 und 2013 liegen nur zwei weitere Einträge über sechs Metern: der 28.01.1994 und der 10.01.1995 mit jeweils +6,02 m NHN.

Die Häufung in den Neunzigern

Auffällig ist, wie viele Einträge aus den Neunzigerjahren stammen: 28.02.1990, 23.01.1993, 28.01.1994, 10.01.1995 sowie zweimal 1999, am 05.02. und am 03.12. Mehr als die Hälfte der zehn höchsten Wasserstände fällt in dieses eine Jahrzehnt. Hinzu kommt der 24.11.1981 mit +5,81 m NHN.

Der jüngste Eintrag: 2022

Am 19.02.2022 erreichte die Elbe +5,87 m NHN, Platz sechs. Es ist der einzige Wert der Liste, der schon in der heutigen Bezugsebene gemessen wurde, und zugleich der höchste der Jahre 2019 bis 2023.

Warum fehlt die Sturmflut von 1962?

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 starben in Hamburg 315 Menschen. Keine andere Sturmflut hat die Stadt so getroffen. Trotzdem steht sie nicht unter den zehn höchsten Wasserständen am Pegel St. Pauli.

Das ist kein Widerspruch. Die Rangliste misst Höhe, nicht Folgen. Wie schwer eine Sturmflut eine Stadt trifft, hängt auch davon ab, ob die Schutzanlagen dem Wasser standhalten, wie viele Menschen in gefährdeten Bereichen leben und wie rechtzeitig sie gewarnt werden. Heute leben die meisten Hamburgerinnen und Hamburger hinter Deichen und Hochwasserschutzwänden. Betroffen sind bei hohen Wasserständen vor allem Flächen vor der Schutzlinie: der Fischmarkt, das Elbufer in Altona und Övelgönne, der Strand von Blankenese, Kais im Hafen sowie Teile der HafenCity und der Speicherstadt.

Einen Scheitelwert für 1962 nennen wir hier bewusst nicht, weil wir dafür keine amtliche Angabe in derselben Systematik haben.

Warum stehen ältere Werte in einer anderen Bezugsebene?

Die HPA schreibt zu ihrer Liste ausdrücklich: Werte vor dem 01.11.2019 stehen in der damals gültigen Bezugsebene. Dahinter steckt ein Wechsel im amtlichen Höhensystem.

Ein Pegel misst in Zentimetern über seinem eigenen Nullpunkt. Damit dieser Wert vergleichbar wird, wird der Nullpunkt an das deutsche Höhennetz angeschlossen und der Wasserstand in Meter über Normalhöhennull (NHN) angegeben. Dieses Höhennetz wird von Zeit zu Zeit neu vermessen. Die aktuelle Fassung heißt DHHN2016. Seit dem 01.11.2019 liegt der Pegelnullpunkt von St. Pauli in diesem System bei −5,004 m NHN.

Die alten Messungen wurden dabei nicht neu umgerechnet, sondern in dem System belassen, in dem sie damals veröffentlicht wurden. Das hat praktische Folgen:

  • Ein Wert von 1976 und ein Wert von 2022 beschreiben dasselbe Wasser an derselben Stelle, aber gegen leicht unterschiedliche Bezugshöhen.
  • Für die grobe Einordnung der großen Sturmfluten reicht die Liste. Liegen zwei Einträge nur wenige Zentimeter auseinander, sollte man die Reihenfolge aber nicht überbewerten.
  • Wer aber eine heutige Vorhersage auf den Zentimeter mit einem historischen Wert vergleicht, vergleicht nicht ganz Gleiches mit Gleichem.

Wie Pegelwert und NHN zusammenhängen, erklärt der Beitrag NHN einfach erklärt, den Pegel selbst der Beitrag zum Referenzpegel St. Pauli.

Wie würden die Rekordfluten heute eingestuft?

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) stuft Sturmfluten nach ihrer Höhe über dem mittleren Hochwasser ein. Am Pegel St. Pauli beginnt die sehr schwere Sturmflut nach heutigem Maßstab bei rund 5,64 m NHN, das entspricht rund 1064 cm am Pegel. Alle zehn Einträge der Rekordliste liegen darüber.

Auch hier gilt die Einschränkung von oben: Das mittlere Hochwasser verändert sich über die Jahrzehnte, und die älteren Scheitelwerte stehen in einer anderen Bezugsebene. Die Aussage ist deshalb eine Einordnung nach heutigem Maßstab, keine nachträgliche amtliche Einstufung. Was die Stufen bedeuten, steht im Beitrag Hochwasser oder Sturmflut?.

Zum Vergleich mit einem gewöhnlichen Jahr: Das höchste Hochwasser des Gewässerkundlichen Jahres 2023 lag bei +3,94 m NHN am 14.10.2023. Das reicht für eine Sturmflut, ist aber von den Rekorden weit entfernt. Wie oft bestimmte Höhen im Mittel überschritten werden, zeigt der Beitrag wie oft es in Hamburg nass wird.

Gibt es auch Rekorde beim Niedrigwasser?

Ja, und sie sind jünger als man denkt. Den niedrigsten Wasserstand seit 1901 maß die HPA am 18.03.2018 mit −3,64 m NHN. Auf Platz zwei folgt der 20.10.2023 mit −3,50 m NHN, einen Tag später, am 21.10.2023, fiel das Wasser auf −3,48 m NHN. Extremes Niedrigwasser entsteht bei lang anhaltendem Ostwind, der das Wasser aus der Elbe hinausdrückt, also genau umgekehrt zum Windstau einer Sturmflut. Eine Sturmflut entsteht, wenn anhaltender Wind aus West bis Nordwest Wasser in die Deutsche Bucht und die Elbmündung drückt und dieser Stau auf ein Hochwasser trifft.

Wo finde ich die aktuellen Ereignisse?

Die Rekordliste endet mit dem Stand der letzten Gewässerkundlichen Information. Was seitdem passiert ist, hält diese Website in ihrer eigenen Chronik fest. Seit dem 20.06.2026 sind dort alle Hoch- und Niedrigwasser am Pegel St. Pauli verzeichnet.

Letztes Hochwasser
Mo., 26.10.2026, 03:19 Uhr932 cm (4,32 m NHN)
Letzte Sturmflut
Mo., 26.10.2026, 03:19 UhrSturmflut, 932 cm (4,32 m NHN)
Zuletzt Orte nass
Mo., 26.10.2026, 03:19 Uhr11 von 59 Orten (u. a. Parkplatz Neumühlen, Parkplatz Rissener Ufer, Campingplatz Falkensteiner Ufer), 932 cm (4,32 m NHN)
Höchstes Hochwasser seit 20.06.2026
932 cm (4,32 m NHN)Mo., 26.10.2026, 03:19 Uhr
Niedrigstes Niedrigwasser seit 20.06.2026
277 cm (−2,23 m NHN)Di., 13.10.2026, 13:45 Uhr

Aus unserer Chronik seit 20.06.2026. Zum Hochwasser-Archiv

Die vollständige Chronik mit allen Tiden findest du im Archiv. Historische Werte erklären, was möglich ist. Für das, was in den nächsten Stunden kommt, zählt allein die aktuelle Vorhersage. Bei Sturmflut sind die Warnungen der Behörden maßgeblich, etwa über die Warn-App NINA, das Radio und die Kanäle der Stadt Hamburg. Was du dann tun solltest, steht im Beitrag Verhalten bei Sturmflut.

Sag mir Bescheid bei Sturmflut in Hamburg

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Häufige Fragen

Was war die höchste Sturmflut in Hamburg?

Den höchsten bekannten Wasserstand erreichte die Elbe am Pegel St. Pauli am 03.01.1976 beim Capella-Orkan mit +6,45 m NHN. Der Wert steht in der damals gültigen Bezugsebene.

Wie hoch stand das Wasser bei Orkan Xaver?

Am 06.12.2013 erreichte das Hochwasser am Pegel St. Pauli +6,08 m NHN. Das ist laut Hamburg Port Authority der zweithöchste Wert seit 1788.

Warum fehlt die Sturmflut von 1962 in der Rekordliste?

Die Liste ordnet nach der Scheitelhöhe am Pegel, nicht nach den Folgen. Die Flut vom 16./17. Februar 1962 kostete in Hamburg 315 Menschen das Leben und war damit die folgenschwerste, auch ohne einen Platz unter den zehn höchsten Wasserständen.

Wann gab es zuletzt einen Wasserstand unter den zehn höchsten?

Am 19.02.2022 mit +5,87 m NHN. Das ist zugleich der höchste Wert der Jahre 2019 bis 2023.

Quellen

Die Darstellung dient der Information. Bei Sturmflut- und Gefahrenlagen gelten die Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden.

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